Dr. Roman Kubetschek

Mein Standpunkt

Ein persönlicher Bericht aus dem Praxisalltag

Warum ich das schreibe

Ich bin Zahnarzt in Neubrandenburg. Ich liebe meinen Beruf. Das war immer so und ist es heute noch. Was sich verändert hat, ist das System, in dem ich arbeite. Und die Erschöpfung, die entsteht, wenn man Tag für Tag Menschen abweisen muß, die Hilfe brauchen.

Wenn ich ehrlich bin, ist der Kugelschreiber inzwischen öfter mein Werkzeug als das Instrument, für das ich ausgebildet wurde. Dokumentation, Anträge, Absagen. Die Verwaltung verbraucht die Zeit, die eigentlich den Patienten gehört.

Diese Website ist kein Klagelied. Sie ist eine Stellungnahme. Ich schreibe hier als Einzelperson, nicht als Sprecher irgendeiner Organisation oder Partei. Was Sie lesen, ist meine Einschätzung, geprägt durch drei Jahrzehnte Praxis in dieser Region.

Ich will nicht als Retter dastehen. Ich stehe hier als jemand, der beobachtet, analysiert und der nicht mehr schweigen kann.

Dr. Roman Kubetschek mit Mundschutz und Instrument bei der Arbeit
Dr. Roman Kubetschek mit Mundschutz und Instrument bei der Arbeit
Klingelndes Telefon an der Rezeption
Klingelndes Telefon an der Rezeption

Das Telefon klingelt. Wir können nicht helfen.

Jeden Tag melden sich Menschen, die einen Zahnarzt suchen. Schmerzen, dringende Behandlungen, Routineuntersuchungen. Jeden Tag müssen wir sagen: Wir nehmen keine neuen Patienten auf.

Das ist nicht Kälte. Das ist Kapazität. Eine Praxis, die an ihrer Belastungsgrenze arbeitet, kann nicht wachsen, ohne die Qualität der Behandlung für bestehende Patienten zu gefährden. Die Gewissenhaftigkeit gegenüber denen, die mir vertrauen, läßt das nicht zu.

Gewonnene Zeitfenster (etwa durch Absagen) gehen ausnahmslos an akute Schmerzfälle. Das ist die einzige Möglichkeit, im Rahmen des Möglichen zu helfen.

Das Team trägt mit

Hinter dieser Entscheidung stehe nicht nur ich. Ein ganzes Team arbeitet täglich an der Grenze des Machbaren. Zahnmedizinische Fachangestellte, die jeden Anruf entgegennehmen und ablehnen müssen. Die das Gewissen dieser Arbeit täglich spüren.

Die Erschöpfung in diesem Berufsfeld ist real. Sie ist nicht Klagen, sie ist die natürliche Folge eines Systems, das Menschen verpflichtet, mehr zu leisten, als die Rahmenbedingungen erlauben.

Türschild Warten, dahinter das Wartezimmer der Praxis
Türschild Warten, dahinter das Wartezimmer der Praxis
Aushang: Keine Aufnahme neuer Patienten
Aushang: Keine Aufnahme neuer Patienten

Dieses Schild hängt an unserer Praxis. Es ist kein Ausdruck von Gleichgültigkeit. Es ist ein Dokument des Versagens. Nicht unseres, sondern des Systems.

Beruf oder Berufung

„Zahnarzt ist kein Beruf sondern Berufung."

— Dr. Roman Kubetschek

Diese Haltung bestimmt, wie ich meinen Beruf verstehe. Sie bedeutet: Verpflichtung gegenüber dem einzelnen Menschen auf dem Stuhl, aber auch gegenüber dem Gemeinwohl. Verpflichtung, nicht zu schweigen, wenn das System versagt.

Die Begeisterung für diesen Beruf ist geblieben. Was mich antreibt, ist die Überzeugung, daß gute Zahnmedizin möglich ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Sie stimmen nicht.

Was sich ändern muß

Ich erhebe keine parteipolitischen Forderungen. Ich formuliere, was ich als Praktiker für notwendig halte. Sachlich, ohne Empörungsgestus.

  • Sofortige Anpassung der GOZ: Der Punktwert ist seit 1988 unverändert. Das ist keine Nachlässigkeit, das ist Mißachtung.
  • Mehr Studienplätze mit Anreizen für die Niederlassung im ländlichen Raum. Nicht als Zwang, sondern als Angebot.
  • Bürokratieabbau: Dokumentationspflichten, die Zeit stehlen, die Patienten gehört.
  • Kompetenz statt Proporz: Menschen, die über das Gesundheitssystem entscheiden, sollten es kennen.
  • Regionale Lösungen zulassen: Statt auf eine große Verwaltungslösung zu warten, die seit 16 Jahren ausbleibt.

„Kompetenz statt Proporz"

— Entscheider in der Politik müssen das studiert haben, worüber sie entscheiden.
Portrait von Dr. Roman Kubetschek in seiner Praxis
Portrait von Dr. Roman Kubetschek in seiner Praxis

Was Sie tun können

Teilen. Informieren. Anschreiben. Einfordern.