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Das Fundament bröckelt seit Jahren

Belegte Fakten zur Versorgungskrise in der Zahnmedizin

Was hier dokumentiert wird

Diese Seite trennt zwischen belegbaren Tatsachen und persönlichen Einschätzungen. Wo es Meinung ist, steht es dabei. Wo es Fakt ist, steht die Quelle. Diese Unterscheidung ist kein Vorbehalt. Sie ist Respekt vor der Wahrheit.

Die Fakten

Mecklenburg-Vorpommern: Dramatischer Rückgang

In fünf Jahren sank die Zahl niedergelassener Zahnärztinnen und Zahnärzte in Mecklenburg-Vorpommern von 985 (Januar 2021) auf 778 (Januar 2026). Ein Rückgang von mehr als 20 Prozent. Jährlich gehen 60 bis 70 Zahnärzte in den Ruhestand. Nachwuchs ist im ländlichen Raum kaum in Sicht.

Nordwestmecklenburg: Versorgungsgrad unter 56 Prozent

Während Städte wie Rostock oder Greifswald überversorgt sind, liegt der Versorgungsgrad in Nordwestmecklenburg bei nur 55,3 Prozent. In Ludwigslust und Nordvorpommern ist die Lage ähnlich kritisch. Bis 2030 drohen einigen Landkreisen Versorgungsgrade unter 50 Prozent.

KZV Mecklenburg-Vorpommern

GOZ-Punktwert: Seit 1988 nicht angepaßt

Der Punktwert der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) beträgt seit 1988 unverändert 0,0562421 Euro, also knapp 5,6 Cent. Inflationsbereinigt hat das Zahnarzthonorar seither um fast 109 Prozent an realem Wert verloren. Personalkosten, Materialpreise und Betriebskosten stiegen dagegen kontinuierlich. Alle politischen und rechtlichen Versuche der Zahnärzteorganisationen, eine Anpassung zu erreichen, blieben bisher ohne Ergebnis.

Nachwuchsmangel: Studieren, aber nicht bleiben

Jährlich schließen rund 70 Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner ihr Studium in Mecklenburg-Vorpommern ab. Doch nur etwa 10 bleiben dauerhaft im Land. Die anderen ziehen in Städte oder ins Ausland, wo Bedingungen und Honorare attraktiver sind. Der Numerus Clausus begrenzt zusätzlich die Studienplatzzahlen.

KZV Mecklenburg-Vorpommern / ZWP online, 2026

Deutschlandweit: Alternde Ärzteschaft

Das Durchschnittsalter der aktiv tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland beträgt 53,6 Jahre. 8,4 Prozent der Niedergelassenen sind bereits über 65 Jahre alt und arbeiten über das Rentenalter hinaus, weil Nachfolger fehlen. Die Konzentration von Praxen in großen Städten und Medizinischen Versorgungszentren gefährdet mittelfristig die flächendeckende Versorgung.

Überregulierung und Bürokratie

Ein wachsender Teil der Arbeitszeit in Zahnarztpraxen geht für Dokumentation, Verwaltung und Compliance auf. Zeit, die nicht für Patientenbehandlungen zur Verfügung steht. Statt die Bürokratielast zu senken, wurden in den letzten Jahren neue Pflichten eingeführt, ohne die alten zu streichen.

Nach Einschätzung von Dr. Kubetschek ist dies einer der zentralen Faktoren, der Niedergelassene belastet und potenzielle Nachfolger abschreckt.

Einschätzung Dr. Kubetschek

Warnungen seit über 15 Jahren

Die Bundeszahnärztekammer warnt seit mindestens 2010 öffentlich vor dem drohenden Versorgungsengpaß durch alternde Ärzteschaft, fehlenden Nachwuchs und mangelnde Attraktivität der Niederlassung im ländlichen Raum. Die Münsteraner Erklärung von 2024 benennt erneut demografischen Wandel und Fachkräftemangel als akute Krisen. Sie fordert, daß Bundesländer genug Fachkräfte für den eigenen Bedarf ausbilden.

Fehlende Kompetenz in der Entscheidungsebene

Entscheidungen über das Gesundheitssystem werden von Menschen getroffen, die das System nicht aus eigenem Erleben kennen. Die Konsequenz: realitätsferne Gesetzgebung, starre Verwaltungsvorschriften und eine Haltung, die auf regionale, individuelle Lösungen mit „Das geht nicht, weil..." reagiert, statt Möglichkeiten zu suchen.

Dr. Kubetschek sieht darin eine Hauptursache für den ausgebliebenen politischen Wandel: „Kompetenz statt Proporz". Entscheider sollten das studiert haben, worüber sie entscheiden.

Einschätzung Dr. Kubetschek

Chronologie der Untätigkeit

Die Entwicklung war vorhersehbar. Die Warnungen lagen vor. Was fehlte, war der politische Wille zu handeln.

  1. 2009

    Das Statistische Jahrbuch der Bundeszahnärztekammer dokumentiert erstmals in dieser Deutlichkeit den drohenden Nachwuchsmangel in der Zahnmedizin, insbesondere im ländlichen Raum.

    BZÄK Statistisches Jahrbuch 2009/2010
  2. 2010

    Die Bundeszahnärztekammer warnt öffentlich vor einem drohenden Versorgungsengpaß durch alternde Ärzteschaft und fehlenden Nachwuchs. Erste konkrete Prognosen für strukturschwache Regionen.

    BZÄK, Presseinformationen 2010
  3. 2012

    Prof. Dr. Dietmar Österreich, ehem. Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern und ehem. Vizepräsident der BZÄK, fordert verstärkte Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum.

    ZWP online, Aussagen Prof. Dr. Österreich
  4. 2018

    Versorgungsgrad in Mecklenburg-Vorpommern beginnt spürbar zu sinken. Prognosen warnen vor kritischen Unterversorgungsregionen bis 2030.

    KZV Mecklenburg-Vorpommern
  5. 2021

    Noch 985 niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte in Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb von fünf Jahren wird mehr als ein Fünftel dieser Zahl wegfallen.

    KZV Mecklenburg-Vorpommern, ZWP online (Januar 2026)
  6. 2024

    Münsteraner Erklärung der BZÄK: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und überlastete Sozialversicherungssysteme werden als akute Krisen benannt. Forderung: Länder müssen genug Fachkräfte für den eigenen Bedarf ausbilden.

    BZÄK Münsteraner Erklärung, September 2024
  7. 2025

    816 niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte in MV (Januar 2025). Der Versorgungsgrad in Nordwestmecklenburg sinkt auf 55,3 Prozent. Die BZÄK unterstützt parlamentarische Anträge zur GOZ-Novelle, die seit 1988 aussteht.

    KZV MV; BZÄK; Nordkurier, 2025
  8. 2026

    Noch 778 niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte in MV. 38 weniger als ein Jahr zuvor. Jährlich schließen rund 70 Zahnmediziner ihr Studium ab, doch nur etwa 10 bleiben dauerhaft im Land.

    KZV Mecklenburg-Vorpommern, Januar 2026

„Kompetenz statt Proporz"

— Dr. Roman Kubetschek. Entscheider müssen das studiert haben, worüber sie entscheiden.

Persönlicher Standpunkt

Was es bedeutet, in diesem System täglich zu arbeiten.